GI-Tagung 2011

Interessant war die Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik auf jeden Fall, so vielschichtig und hochkarätig habe ich selten eine Tagung erlebt, und das über die gesamte Zeit. Schwerpunkte waren natürlich die Informatik betreffende, aber wg. des Hauptthemas „Informatik schafft Communities“ gab es mit den sozialen Netzwerken und Web 2.0 durchaus Schnittstellen zur Medienbildung und zum e-learning.

Am Dienstag überraschte der nur 60 Min. dauernde Turbogang von eRecruiting im Web 2.0 über datenschutzrechtliche Überlegungen bei der Nutzung von Social Media Diensten am Arbeitsplatz bis zur Entwicklung und Evaluation semantischer Jobportale, also Web 3.0. Wow! Alles fundiert und interessant vorgetragen, Supernerds halt. Vor allem das semantische Web ist m.E. nach der Steigbügelhalter des zukünftigen Internets (in 5, 10, 20 Jahren?).

Am Mittwoch fand der „Tag der Informatik“ mit Vorträgen, u.a. von Constanze Kurs vom Chaos Computer Club, einem Vertreter von Google Deutschland, Hr. Micklitz, und einem Vertreter des Bundesinnenministeriums (BMI), Hr. Schallbruch, statt. Toll waren für die anschließende Podiumsdiskussion der Vortragenden die Steilvorlagen, die die beiden Herren für Fr. Kurz lieferten: der elektronische Personalausweis ist sicher, Google Plus hat Privacy dermaßen integriert, dass man sie nicht mehr sieht, Vorratsdatenspeicherung ist nötig etc.. Ergebnis: ein gepflegtes Auseinandernehmen der Argumente vom BMI und Google und in großen Teilen des Publikums eine wohlwollende Aufnahme der Argumente von Constanze Kurz, im Saal wußte mensch als Informatiker/in halt, wovon sie sprach.

Am Donnerstag gab das Studierendenprogramm am meisten her: Open Source Tag! Vorträge über freie Software (Free Software Foundation Europe), die Unterstützung und Entwicklung von Open Source Software durch User, Entwickler und Firmen. Alles in allem ein gelungener Tag, auch wenn für Menschen im Linux und Open Source Umfeld nicht viel Neues dabei war.

Absoluter Flop: der Kinoabend! Es sollte „The social network“ gezeigt werden, was die TU Kinotruppe mit halbstündiger Verspätung, schlechtem Bild (Optiker! meldet Euch!) und rasend schneller Audiospur in amerikanischem Englisch mit englischen Untertiteln (!) ordentlich verpatzt hat. Totalausfall!

Der Freitag war bestimmt durch e-learning Vorträge: die studentische Initiative ‚Mediabird‘ als Unterstützungssoftware für Klausurvorbereitungen, integrierbar in Lern-Management-Systeme – gut gemacht, sinnvoll, jetzt müssen die Unis es nur noch kaufen und den Studierenden anbieten. Dann mein Spitzenreiter: „Modellierung sozialer Kommunikation als Communities in Social Software und Lernplattformen“, d.h. die Vorstellung der Online Campus Next Generation Plattform, vorgetragen von Tobias Hölterhof, Michael Kerres war leider nicht anwesend. Mir wurde noch einmal klar, dass die Abbildung sozialer Bezüge als Unterstützungssystem fürs online-Lernen seine Tücken hat, aber das Portal ist sehr gut strukturiert und vereint mehrere Vorteile gegenüber Moodle. Inzwischen ist das System an der Uni Duisburg-Essen aktiv und scheint gut zu laufen. Bin gespannt auf die erste Evaluation!

Absolutes Top: eine der letzten Sessions am Freitag nachmittag war die Vorausschau auf pervasive, interoperable Lehr-Lernarrangements. Was? Na: always on, everywhere! Zumindest als Lernumgebung auf dem Campus. Verschiedene Lernumgebungssoftware, die sich gegenseitig nicht stört, interaktive und multimediale Dienste, die die Lehre bereichern, ein Gerätezoo, in dem alle mobilen Geräte miteinander vernetzt sind (und es funktioniert!), überall die Möglichkeit aktiv zu werden… Als Ausklang war das futuristische Szenario klasse, dann wird die Zukunft (des Lehrens und Lernens zumindest) wunderbar!

Über bdoerr
Medienpädagoge, Dozent, Berater für digitales Leben: e-learning, Medienbildung, web 2.0, Projekte, Fortbildungen, open source, social media, Linux, soziale Netzwerke

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