[buzz: google+] vs. [social software]

Obwohl die Losung „Don’t believe the hype“ schon etwas angestaubt ist, entbehrt sie nicht einer prinzipiellen Unterfütterung durch gesunde Skepsis gegenüber Neuerungen, die plötzlich alle gut finden eben weil sie neu sind; ein halbes Jahr später liest sich das meist schon anders.

Momentan wird die Kuh „google+“ durchs Dorf getrieben, die early adopters sind begeistert und Sascha sagt auch etwas dazu.

Entgegen dem positiven Urteil meines vorhergehenden Posting zur Entwicklung einer ’social software‘ im Kontext ‚Lernen und Lehren‘ hat leider auch Michael Kerres eine (hoffentlich nicht lange andauernde) etwas geknickte Haltung  zur eigenen Software für den universitären Einsatz angesichts der Beta-Phase von google+, das in seinen Augen einiges von den Überlegungen, die zum „Online-Campus-Next-Generation“ (OCNG) geführt haben, nun für einen massenkompatiblen Markt anbietet und damit den ’nächsten Schritt‘ gemacht hat/haben soll.

Sag ich nur: don’t worry!

Wie Sascha Lobo beschreibt ist google+ die folgerichtige Antwort auf die Unterbetonung facebook’scher (Medien-)Community-Bildung und somit aggregierte shout-outs für Nachrichten und Informationen. Das hat mit Lernen erstmal wenig zu tun.

Die Überlegungen, die Kerres et al. angestellt haben, um die Nachteile herkömmlicher „Lern-Management-Systeme“ (LMS) mit den Vorteilen von sozialen Netzwerken auszugleichen, gehen nach google+ immer noch in die richtige Richtung: die Abbildung von lebensweltlichen Bezügen Einzelner als niedrigschwellige Einladung sein Leben doch auch im Netz abzubilden, bei Kerres: mithilfe sozialer Konstruktionen individuelles Lernen zu unterstützen.

Daran ist nichts falsch, nur weil ein Konzern weiter denkt und Geld verdienen will. Es sind auch solch moderne Sachen wie soziale Netzwerke immer nur solange tagesaktuell interessant, wie sie den Bedürfnissen der User entgegenkommen.

Aber die Hauptfrage bleibt doch trotzdem: wie können soziale Netzwerke aussehen, die die lebensweltlichen Bezüge ihrer Nutzer/innen abbilden? Wie nahe müssen und wie nahe dürfen sie den Lebenswelten sein, ohne mimetisch induziertes Befremden auszulösen? Sind sie dann noch sinnvoll oder müssen sie distanziert bleiben, um interessant zu sein? Sind soziale Netzwerke überhaupt das Modell, mit dem wir uns in 2 oder 5 Jahren (noch) beschäftigen? Und brauchen wir solche Modelle, um zu lernen oder zu lehren?

Zurück zur Jetztzeit: interessant ist und bleibt die Entwicklung eines Modells sozialen Netzwerkens, das die User sofort benutzen möchten, weil es nicht weit von ihren Gewohnheiten entfernt ist; sinnvoll bleibt die Frage, inwiefern ein solches zu modellierendes Netzwerk für Lernen/Lehren eingesetzt werden kann oder umgebaut werden muss. Solange benutzen wir gerne das „Online-Campus-Next-Generation“ (OCNG) und testen es auf seinen Gehalt hin aus, und nicht google+!

Über bdoerr
Medienpädagoge, Dozent, Berater für digitales Leben: e-learning, Medienbildung, web 2.0, Projekte, Fortbildungen, open source, social media, Linux, soziale Netzwerke

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