Eltern-Medien-Abende

Über die letzten Jahre hat sich der Themenkomplex „digitale Medien“, zu denen ich als Eltern-Medien-Trainer bei Elternabenden in Schulen gesprochen habe, doch geändert: ging es  zuerst noch um Handytarife und Abofallen, Spiele und ungewollte  Internetzugriffe, oder um Computerspiele, mögliche Sucht- und andere Gefährdungsfaktoren, oder um die Zeitenfrage: wie lange darf mein Kind vor den PC?, ist es heute das weite Feld der sozialen Netzwerke: welche gibt es? Was machen die Kinder dort und was ist alles möglich? Was ist daran  gefährlich für die Privatsphäre, wie kann der Datenschutz einigermaßen eingehalten werden? Wie steht es mit den Vernetzungen der Kinder in verschiedenen Portalen und was wollen die Spiele und Apps darin?

Das Handy kommt darüber auch wieder ins Spiel, weil die Smartphonemanie um sich greift und Netzzugriffe damit gewollt und gefordert sind. All diese Fragen können fachlich  beantwortet und diskutiert werden; im Endeffekt bleibt es eine der aktuellen und  „modernen“ Erziehungsfragen, die mit einer feststellbaren Unsicherheit der Eltern  daherkommt, weil die Verbreitung digitaler Kommunikationsmedien wie PC, Handy und  Smartphone wesentlich schneller verläuft als die der Medien mit denen die Elterngeneration selber aufgewachsen ist.

Dieser Zusammenhang wird in seiner Verunsicherung der Erwachsenen m.E. auch nicht dadurch geschmälert, dass es in jeder Versammlung bestimmt 80% und mehr  Teilnehmer/innen gibt, deren berufliche Grundlage die Arbeit am und mit einem Computer ist. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind bereits offline, aber in noch weit gesteigertem  Maß mit Netzzugang dermaßen vielfältig, dass es jemandem, der/die gerade berufliche und private Dinge mehr oder weniger gerne und in ausreichendem Maß am Gerät so  hinbekommt, als schiere Unmöglichkeit erscheinen muss, den Durchblick zu behalten.  Kann ja auch keine/r in Gänze, aber allein die Kommunikationsmöglichkeiten über soziale  Netzwerke und Chats sind so schnell gewachsen und differenziert, dass sich die Eltern in  zunehmendem Maß von der Entwicklung (und ihren Kindern) „abgehängt“ fühlen.

Die (neue) Dimension sozialer Netzwerke ist auch nicht nur mit Informationen über Registrierungen, Privatsphäreneinstellungen oder mit Ratschlägen für besser nicht ins Netz zu stellende Bilder oder Filme zu erfassen, sondern es ist für die (meist) Jugendlichen ihre eigene Welt, ihr Alltag, den sie so selbstverständlich leben wie alle Jugendlichen zu allen Zeiten. Es haben sich aber eindeutig die Handlungsmöglichkeiten durch das Netz und v.a. Web 2.0 Services potenziert mit Leuten in Kontakt zu kommen und zu bleiben, sie am eigenen Leben teilhaben zu lassen, obwohl sie auf anderen Kontinenten (oder anderen Stadtteilen…) leben und sich über Belangloses hochtechnisiert auszutauschen.

Dazu kommt die veränderte Aufmerksamkeitsökonomie, die das Lesen von kompletten Webseiten nicht einmal andenkt, gleichzeitige Beschäftigungen mit mehreren Dingen fast zur Norm macht und veränderte Sprachgewohnheiten, die Alltags- und Internet-/Chat-Sprache ineinander übergehen lassen und somit kulturelle Verschiebungen auslösen, die  Erwachsene nicht mehr nachvollziehen können.
Das kann man/frau alles erklären und diskutieren, aber es kann gut sein, dass in ein oder  zwei Jahren wieder derselbe Eltern-Medien-Abend stattfindet und wir über völlig neue  Anwendungen sprechen (müssen).

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