Soziale Arbeit und social media

Nun habe ich als Dipl.Soz.Päd. und Medienpädagoge schon seit 2 Jahren einen Lehrauftrag an der Evangelischen Hochschule Berlin für das Seminar „Web 2.0 in der sozialen Arbeit“ inne und weiß, dass jedes Semester anders verläuft; aber die Bestätigung für den „lernerzentrierten Ansatz“ beim sog. Lernen 2.0 aka kollaboratives Lernen, das stark von der konstruktivistischen Lerntheorie geprägt ist, hat mich stark beeindruckt.

Was war geschehen? Nichts weiter, denke ich, allein die Seminaraufgabe war, von den eigenen Interessen in der Sozialpädagogik/-arbeit auszugehen und mit einem Web 2.0 Tool zu visualisieren. Die Ergebnisse wie auch alles andere sammeln wir in einem Wiki außerhalb des hochschulinternen Lern-Management-Systems (LMS) und bei der Durchsicht vor dem nächsten Termin staunte ich nicht schlecht: so große, detaillierte, engagiert angelegte und ausführliche Mindmaps hatte ich nicht erwartet! Die Ergebnisse waren wirklich super und zeigten eine nahezu ideale Kombination des Studieninteresses mit persönlichen Orientierungen, Recherchen und fachlich fundierten Aussagen! Das dicke Lob an die Studierenden kam postwendend im Seminar, das bei diesem Termin von den Arbeiten völlig bestimmt war und es hat sich 100%ig gelohnt, den Studierenden den Raum und die Zeit zu lassen, sich selbst eine Richtung für das Studium zu suchen und diese Suche zu dokumentieren und vorzutragen. Ich hatte schon öfter Aufgaben gemäß einer Problemorientierung oder mittels Vorgaben gestellt, aber noch nie war das Ergebnis so überwältigend gut und ausführlich ausgefallen wie dieses. Das zeigt mir andererseits aber auch, dass der Einsatz von Web 2.0 Tools in der Sozialpädagogik richtig sein kann, wenn, wie immer, das Setting stimmt und die Eigeninteressen der Studierenden eine Rolle spielen.

Das Seminar plane ich generell in der Verbindung Technik (Web 2.0 Tools, social media) & Sozialpädagogik / Sozialarbeit / soziale Arbeit in dem Versuch die Balance zu halten zwischen dem Einsatz webbasierter Tools als Werkzeuge (1) und der Etablierung einer neuen Lernkultur (2). (1) Web 2.Tools, soziale Netzwerke oder andere Nützlichkeiten können zwar „nur“ als Werkzeuge eingesetzt werden, woraus sich aber Sackgassen-Diskussionen ergeben: warum sollte ich diese einsetzen, wenn ich von digitalen Medien nicht viel halte oder mir der Mehrwert nicht klar ist? Das Ergebnis: vor die Wand gefahren, weil man auf dieser Ebene nicht weiterkommt. (2) Es ist nämlich weitaus komplexer zu erklären, dass (sogar) die Sozialarbeit sich digitaler Unterstützung für die Lehre bedienen kann, weil der kulturelle Wandel momentan auf digitaler Ebene stattfindet und Lehrende (und Lernende als Ein-/Fordernde) gut daran tun, diesen Wandel zu konstatieren und produktiv im eigenen Handeln umzusetzen. Die Diskussionen um eine neue Lernkultur kenne ich nicht nur aus meinem berufsbegleitendem Studium „eEducation“, das sich mit e- und online-Learning beschäftigt, sondern auch aus der Medienpädagogik, wenn es um Grund- und Oberschulen, Hochschulen oder Universitäten geht. Die Studierenden kommen aus der Welt sozialer Netzwerke, Chats und Messaging-Diensten auf dem Handy oder Smartphone, warum sollte ich diese Mittel dann nicht für die Lehre einsetzen? Kultureller Wandel bedeutet hier eine Bedeutungsverschiebung hin zu einer immer stärkeren Nutzung digitaler Geräte und diese sind bei allen Zielgruppen der Sozialpädagogik ebenfalls angekommen.

In der sozialen Arbeit sind hinsichtlich des Einsatzes von social media mehrere spezifische Fragestellungen zu klären und sowohl deren Beantwortung als auch das vielversprechende Sammeln weiterer Fragen ist noch lange nicht abgeschlossen; die Bandbreite reicht von der Datensicherheit für die Mitarbeiter sozialpädagogischer Einrichtungen und die von Klienten, wenn sie einen Service (mit-)benutzen über die Frage der treffsicheren Auswahl eines Tools für einen gegebenen Einsatzzweck bis hin zur Frage der Öffentlichkeit und damit Sichbarkeit sozialer Arbeit hinsichtlich der eigenen Arbeitsstelle (Öffentlichkeitsarbeit oder Kommunikation?) und der dokumentierten Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit.

Ich bin gespannt darauf wie es weiterläuft, v.a. in Hinblick auf den parallel laufenden 2. Lehrauftrag, bei dem ich (hoffentlich bald) Tablets einsetzen kann, was beim Thema „Gaming“ sicherlich förderlich ist.

Mobiles und kooperatives Lernen

So, nun zwischendurch ein update: wer’s noch nicht wusste: nach Jahren sog. berufsbegleitenden Studiums von e-Learning, web 2.0, Social Media / Software & / Learning beschäftige ich mich nun mit der Masterarbeit zum Abschluss des Studiums. Meinen Studienschwerpunkt ‘Web 2.0 Tools / Social Software: in der Lehre & zum Lernen, in der Jugendarbeit, in der sozialen Arbeit, für eParticipation….’ führe ich fort im Thema der Masterarbeit: „Kooperatives Lernen mit Apps – eine Analyse des Potentials mobiler Anwendungen“, d.h. der Schwerpunkt liegt beim kooperativen Lernen und die Frage lautet: wie läßt sich kooperatives Lernen didaktisch und technisch im ‘Mobile Learning’ abbilden? Wie müssen Apps gestaltet sein, damit kooperatives Lernen möglich ist? Welche didaktischen Settings zählen dazu, welche theoretische Fundierung weisen sie auf und für welche Anwendungsszenarios eignet sich kooperatives Lernen mit mobilen Geräten eigentlich? Der Praxisanteil besteht in der Analyse von (ausgesuchten) Apps aus verschiedenen Anwendungsbereichen auf ihre Tauglichkeit oder gerade die Ermöglichung kooperativen Lernens.

Als Hintergrund dienen die Gespräche und Diskussionen der letzten Jahre über Social Learning, mobiles Lernen etc. in Workshops, Kongressen oder Fachtagungen wie auch hier berichtet bei der DeLFI 2012 und natürlich den Postings zu ‘Lernen 2.0′ in sozialen Netzwerken oder Twitter. Community-driven wie Moocs ist das Ganze nicht, aber reichhaltig durch diverse Communities beschallt und v.a.: es gibt Ansprechpartner/innen außerhalb der offiziellen Betreuung: in diesem Zusammenhang vielen Dank an Jochen Robes für das aufschlussreiche Gespräch!

Nachdem ich die Informatik-Prüfung nun erfolgreich hinter mich gebracht habe, starte ich folgendermaßen: inhaltlich geht es über die lerntheoretischen Hintergründe und aktuellen Lernmodelle und ‘Computer Supported Cooperative Learning’ (CSCL) zu den Spezifika des Web 2.0/Social Learnings und des mobilen Lernens bis zur praktischen Analyse von mobilen Anwendungen.

Wer es kennt, den wird es kaum überraschen: im CSCL (war ein Bestandteil der Informatik-Prüfung) sind die Überlegungen, wie Social Learning aufgebaut sein muss, damit es funktioniert, schon längst gestellt worden. Mit seinem interdisziplinären Ansatz liegt CSCL weit vorne und meine Diskussionen mit Prof. Haake von der FernUniversität in Hagen sind durch die Neuauflage des CSCL-Kompendiums in seiner Mitherausgeberschaft ebenfalls überholt: einige neue Kapitel beschäftigen sich mit Web 2.0 und ich hoffe, dass die Erkenntnisse aus CSCL in die didaktischen Settings des Social Learning einfließen. Immerhin muss man das Rad nicht noch einmal erfinden! Offensichtlich sind viele der CSCL-Systeme leider unternehmens- oder universitätsintern geblieben, denn bei der Lektüre der vorherigen Ausgabe des Kompendiums hat mich die Vielfalt und v.a. die didaktische Unterfütterung der Anwendungen begeistert: viele Fragen zur Anwendung von Web 2.0 Tools für die Lehre oder das Lernen sind schon längst bei CSCL behandelt, hin und her diskutiert, reflektiert und zu einer Lösung geführt worden! Zumal sich CSCL als Forschungsrichtung etabliert hat und die Diskussionen übergreifend in Informatik, Psychologie und Pädagogik geführt werden, womit das komplexe Gebiet abgedeckt ist, mit dem man es zu tun bekommt, wenn man sich die o.g. Fragen stellt.

Außerdem ist CSCL genau die Schnittstelle, die mir persönlich gefällt, da ich mir als Medienpädagoge bei den Informatiker/innen als das soziale und bei den Pädagog/innen als das technische Element vorkomme, zwischendrin, aber keins von beiden alleine. Wahrscheinlich gefällt mir deshalb e-Learning/Web 2.0-/Social Learning so gut, weil es um soziale und technische Themen, Beratung und anwendbare Szenarios geht.

BTW: habt ihr gewusst, dass es ‘Awareness’-Faktoren, also zu sehen, wer wann wie lange online im gleichen Netzwerk ist, was er/sie tut oder getan/geschrieben/geantwortet hat, schon lange vor Facebook in CSCL-Systemen gab? Was im sozialen Netzwerk eigener Wahl begeistert und die Stunden verfliegen lässt, ist schon ein alter Hut, und nicht der einzige…

DeLFI 2012

Die 10. e-Learning Fachtagung Informatik – DeLFI 2012 – von der Fachgruppe e-learning der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) in der FernUniversität in Hagen veranstaltet, wartete mit einem vollen Programm auf, das gleich am ersten Tag mit meinem momentan bevorzugten (Reiz-)Thema „mobile learning“ als Workshop startete. Wie | hier | nachzuschauen und zu lesen, wurden mehrere Apps aus unterschiedlichsten Bereichen vorgestellt, die Lernziele mit Anwendungen auf mobilen Geräten erreichen wollten.

Bei den Nachfragen zu den Präsentationen haben allerdings Themen dominiert, die die didaktischen Szenarien mancher Apps hinterfragten: sind bspw. testbasierte Apps (Abfragen, Zuordnungen etc.) nicht wieder ein Rückgriff auf Konzepte des programmierten Unterrichts? Oder geht es noch weiter in Richtung von ‘drill and practice’-Programmen? Wo bleiben die Besonderheiten z.B. von social media, die in der Diskussion um ihren Einsatz für das Lehren und Lernen stehen?

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netz:regeln 2012 Transparenz und Vertrauen – no limits?

Bei der diesjährigen netzpolitischen Veranstaltung der Grünen in der Heinrich-Böll-Stiftung bringt schon der Titel die soziale Dimension in die Diskussion zurück: Vertrauen? statt technischer Lösungen? Aber dazu später mehr…. Die Themen waren aber damit schon gut angerissen: Transparenz, Datenschutz und Datensicherheit, wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten (die Veranstaltung war eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. und der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e.V. (BITKOM)).

Der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Pörksen von der Universität Tübingen „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ (auch als Buch und mit Besprechung) kreiste um die Frage der gesteigerten medialen Möglichkeiten zur Skandalisierung von Ereignissen, Äußerungen, Vorschlägen etc., die nicht nur die auf die Öffentlichkeit angewiesenen Politiker/innen betrifft, sondern mehr oder weniger Alle. Die Grundlagen dazu habe die Digitalisierung gelegt, über die als technischen Vorgang Informationen auch in großer Fülle und Breite (wie bspw. die wikileaks-Veröffentlichungen zu US-Militärdokumenten zum Iran und Afghanistan oder den vertraulichen US-Depeschen des US-Außenministeriums) sehr leicht zugänglich und verteilbar würden. Insgesamt ein interessanter Vortrag, nur 2 Anmerkungen zum Titel und den dazugehörenden Ausführungen:

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Interview: Virtuell-aufsuchende Jugendarbeit – Straßensozialarbeit 2.0

Für die Initiative ‘Dialog Internet’ habe ich Tilmann Pritzens interviewt, Straßensozialarbeiter beim Berliner Träger Gangway e.V.. Hier ist das komplette Interview, wg. der Länge musste es im ‘Dialog Internet’ in zwei Teilen (Teil 1, Teil 2) veröffentlicht werden.

Virtuell-aufsuchende Jugendarbeit: Straßensozialarbeit 2.0
Interview mit Tilmann Pritzens, Gangway e.V.

Tilmann Pritzens ist Sozialarbeiter und auf der Straße unterwegs. Er arbeitet bei Gangway e.V., [1] einem Berliner Träger für Straßensozialarbeit, und ist mit seinen Kolleg/innen in kleineren Teams pro Bezirk organisiert. Gibt es Probleme für Jugendliche und junge Erwachsene können sie sich an das Team wenden: Wohnung weg, Ausbildung, Schulden, Problemen mit Drogen, Arbeitssuche, Obdachlosigkeit u.v.m.; alles, was junge Menschen betrifft, die sich im öffentlichen Raum aufhalten. Diese Arbeit lebt von dem Vertrauensverhältnis zwischen Streetworkern und Jugendlichen und legt den Kontakt von Angesicht zu Angesicht nahe. Das ist größtenteils auch so, aber verstärkt leben die Jugendlichen im Netz: sie chatten und sind in sozialen Netzwerken unterwegs [2], wo sie ihre Fragen klären wie auf der Straße auch. Deshalb sind manche Teams des Gangway e.V. online präsent: man kann sie über verschiedene Chats, in mehreren sozialen Netzwerken und per e-mail erreichen oder auf der Website direkt Fragen an sie stellen. Tilmann Pritzens ist mit seinem Team auf mehreren Ebenen im Netz aktiv und schildert im Interview die Gründe.

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eParticipation: youthpart international conference on youth participation in the digital society

Am ersten Tag der internationalen Konferenz war das Publikum zahlreich und bunt gemischt: international eben, die Synchron-Übersetzungen lohnen sich also.

Was sich auch lohnt und an obige Veranstaltungen anschließt: die Diskussionen werden alle akribisch transparent in Etherpads dokumentiert, es wird getwittert (#epart12) und wo es geht gepostet aber auch in Arbeitsgruppen, nein: in Gruppendiskussionen nach den inhaltlich einleitenden Podien je nach Vorlieben wählbar diskutiert.

Die Diskussion zum ersten Podium „eParticipation in society – the big picture“ unter Federführung von Dr. Jan-Hinrik Schmidt (mit DeTe!) hat mir gezeigt, dass die Auffassungen über die Breitenwirkung von jugendgerechten Möglichkeiten zur Betreiligung im und mit dem Netz sehr unterschiedlich sind. Vor allem sind staatlich initiierte Portale, Netze oder Initiativen sehr kritisch und kontrovers beurteilt worden, so dass mein Fazit für den Tag 1 der Konferenz so ausfällt: vielleicht sind wir ja ‘nur’ die early adopters, die Chancen erkennen, die Technik dazu haben oder entwickeln, aber nicht genau wissen, wie wir die Jugendlichen nun dazu bewegen sollen, sie auch sinnvoll zu nutzen. Eine sehr pädagogische und good-will geprägte Einstellung. Vielleicht aber müssen wir uns auch daran gewöhnen, dass unsere Zielgruppe die Werkzeuge, die sie nutzen möchte, einfach nur vorfinden will, um sie für ihre eigenen Zwecke einzusetzen. Vielleicht müssen wir ihnen nur den Raum eröffnen, betreten werden sie ihn selber oder eben nicht. Partizipation von oben geht nicht; und in die Bahnen lenken, die uns gefallen, auch nicht. Vielleicht heißt eParticipation ja auch, Instrumente aus der Hand zu geben und uns überraschen lassen, was wer wann & wie damit anfängt. Spannend wär’s!

con/temporary streams aka Sammelsurium: ePartizipation und Mozilla Foundation

Die Mozilla Foundation versammelt mit dem Projekt HIVE kreative Köpfe und stellt seine neuen Tools vor, zum sofortigen Ausprobieren und Weiterentwickeln: Projektarbeit, code testen, Webseiten ‘hacken’ funktioniert mit HACKASAURUS, Videos online bearbeiten und ergänzen mit POPCORN und ihrem POPCORN-MAKER. Zwei wunderbare Tools für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Studierende … einfach alle, die mit dem Web, HTML 5 oder kreativen Möglichkeiten spielerisch umgehen oder (vielleicht) die nächste Entwicklung im Netz vorantreiben wollen. Nehmt euch Zeit dafür, ihr kommt nicht mehr so leicht davon los…

ePartizipation ist das Wort 2012 und die Jugendarbeit fragt sich, was sie damit anfangen kann. Ich bin gespannt auf die internationale Fachtagung des Projekts ‘youthpart’, vorher aber fanden bereits 2 Veranstaltungen zu diesem Thema statt: im Rahmen der Stiftungswoche Berlin veranstalteten die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, die Kreuzberger Kinderstiftung und die Stiftung Demokratische Jugend eine Diskussion zu den Perspektiven der ePartizipation. In verschiedenen thematischen Schwerpunkten ging es nach einem Input von Jürgen Ertelt um Netzwerke, Schwarmbewußtsein, die Piraten als Blaupause für aktuelle Beteiligungsformen oder um verändertes Demokratieverständnis. Eine spannende Veranstaltung im Hinblick auf weitere Berliner Aktivitäten mit diesen Akteuren!

Ein anderes Spektrum fand sich mit Einladung des Deutschen Bundesjugendrings zum ‘FachCamp 12 Jugendarbeit Online’ mit dem tollen Input von Kerstin Heinemann, (Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, JFF) zu »Partizipation in und mit dem Netz«. Mitarbeiter/innen aus Jugendverbänden setzen Beteiligungsformen für Jugendliche seit Jahren um – was ändert das ‘e’ vor ‘Partizipation’? Wie sinnvoll sind Beitritte zu Netzwerken und was soll dort getan werden? Eine Diskussion der Modernisierungsdebatte in der Jugendarbeit, interessant war es, mit Menschen zu diskutieren, die in anderen Bundesländern ähnliche oder eben völlig andere Erfahrungen gemacht haben. Ein mögliches Fazit: „Die Richtung stimmt, die Linie ist zackig und die Geschwindigkeit lässt zu wünschen übrig!

Seminarerfahrungen: Web 2.0 & Sozialpädagogik/Sozialarbeit

Die Noten für den Lehrauftrag im letzten Semester sind geschrieben und das Seminar im nächsten Semester startet im April: Web 2.0 in der sozialen Arbeit. Für die erste Durchführung eines Seminars als Lehrender war es für mich mindestens genauso spannend wie für die Studierenden der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB). Wie würden die jungen Menschen auf jemanden reagieren, der ihnen Tools aus dem Netz vorstellt, die sie alle schon kennen? Alte Hüte in technisch neuem Gewand und wofür soll das in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik nützlich sein?

Das Resultat zuerst: sie kannten kaum Web 2.0 Tools und das Seminar war klasse! Die Studierenden konnten mit der Vorstellung des Web 2.0 soviel anfangen, dass wir sofort in Diskussionen über Anwendungen, inhaltliche Bezüge und neue Möglichkeiten in der Praxis kamen, die sich über das gesamte Semester zogen. Inhaltlich wie technisch intuitiv nachvollziehbare Anwendbarkeit ist immer noch das erste Kriterium für Tools und für die Herauslösung aus dem Unterhaltungskontext, den sie im privaten Gebrauch mehrheitlich haben, sie somit von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Gestartet wurde mit einem (intern bleibenden) Kurs-Wiki, das im Semester zur Dokumentation der verschiedenen Arbeitsaufgaben und -schritte diente, parallel zum hochschul-internen LMS, das in neuer Auflage viel mehr Möglichkeiten bot als das alte System. Im laufenden Semester im wilden Ritt durch die Bereiche, die in ihrem Zweck den Studierenden vielleicht nützlich sein könnten:

  • Suchmaschinenbenutzung und Literatursuche
  • viel aus dem Office Bereich: Dokumente, Präsentationen, Bilder, MindMaps erstellen und teilen
  • cloud-Dienste, multimediale webbasierte Anwendungen
  • Dienste zur Aggregation von Nachrichten, Microblogging
  • und natürlich alle möglichen social software Tools wie soziale Netzwerke, auch zum selber Bauen sowie sharing tools.

Was mir besonders gefallen hat, waren die Diskussionen über Datensicherheit und Privatsphäre gegenüber dem Nutzen von Anwendungen und dem nicht-privaten, professionellen Blick, um zu lernen existierende und neue Tools einzuschätzen, inwieweit sie für das Studium und die spätere berufliche Praxis einen Mehrwert bringen. Insofern der eigene Horizont für die erweiterten Möglichkeiten im Netz geöffnet wurde und eigene Kriterien zur Anwendbarkeit oder Vorlieben entwickelt wurden, war das Seminar erfolgreich, zumindest gingen die Feedbacks in diese Richtung. Es bleibt spannend!

Da war noch was… 2011, pt.3

Schneller als gedacht schreitet das Jahr voran und die Meldungen aus 2011 werden immer älter, deshalb im Kurzformat:

  • der PolitCamp e.V. veranstaltet immer wieder einen netzpolitischen Austausch, die Veranstaltung im November habe ich mir angeschaut: der angekündigte ‘lockere Austausch’ bringt überraschende Einigkeiten der verschiedenen Parteienvertreter/innen zutage, leider können sie sich letztendlich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen; inzwischen haben weitere Treffen stattgefunden, interessante Debatten gibt es auch;
  • zur Online Educa bin ich 2011 nicht gekommen, dafür zur embedded Veranstaltung ‘School Forum’, das sich in mehreren Vorträgen mit der Thematik ‘Schule und Neues Lernen’ beschäftigt hat, super: der lebendig-begeisternde Vortrag von Tim Rylands über die Chancen – Chancen – Chancen (!) von modernem Unterricht mit IT, die schlau ausgedachte ‘digitale Schultasche’, die Wolfgang Willburger vorgestellt hat und nur noch eingesetzt werden muss (…), der Vortrag von Dr. Karin Ernst über das Projekt ‘eXplorarium’, das im weiteren Sinn E-Learning an die Schulen bringt, und der von Fr. Payome von CHECK.point eLearning moderierte Round Table „Unter welchen Voraussetzungen entsteht eine moderne Lernkultur mit Einsatz digitaler Medien?“;
  • die von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in 2011 einmalig finanzierten Workshops zu ‘Cybermobbing’ für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern habe ich an zwei Grundschulen mit 5. und 6. Klassen durchgeführt, weiteren Bedarf gibt es natürlich und die gesamte Spannbreite der Medienpädagogik ruft!
  • das Fachforum „Kinder aktiv vernetzt“ der LAG Medienarbeit e.V., das ich als Vorstandsmitglied eröffnen durfte und neben einem zu kurz gebliebenen interessanten Vortrag über ‘Mediatisierte Kinderfreundschaften als pädagogische Herausforderung’ von Prof. Dr. Burkhard Fuhs, Universität Erfurt, verschiedene Communities für Kinder vorgestellt hat, inkl. der Zugangsbedingungen, die aufgrund der besonderen Schutzwürdigkeit der Kinder leider mitunter (sehr) hoch sind, vorgestellt wurden: die Internauten, Clipklapp/Kindersache, Tausch-Dich-Fit, Sufino, Knipsclub, Mein!KI.KA und unsere ‘Eigenproduktion’ Spreegucker, hier noch ein ausführlicher Blog-Artikel meines Kollegen Michael Lange

Online-Beratung für Jugendliche: in sozialen Netzwerken machbar?

Abseits (?) der Diskussion um soziale Netzwerke existieren zahlreiche Beratungsstellen im Internet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Fachleute geben in geschützten Räumen Hilfestellungen, Jugendliche beraten Jugendliche, unterschiedliche technische Zugänge je nach Vorlieben: hier geht es zu meinem Artikel bei dialog-internet.de (Initiative von Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, zur zeitgemäßen Kinder- und Jugendnetzpolitik und den Chancen und Risiken für das Aufwachsen mit dem Internet) und natürlich direkt hier im Blog:

Online-Beratung für Jugendliche: in sozialen Netzwerken machbar?

Die Attraktivität des Angebots des in einem anderen Blog-Artikel erwähnten Vereins Netari.fi zur Jugendarbeit online in Finnland [1] hat mehrere Aspekte, von denen zwei aufgegriffen werden sollen: Beratungsarbeit einerseits, diese aber online, und die Situation der Jugendlichen, soziale Netzwerke für ihre Alltagsdinge zu nutzen und sie dort zu treffen. Während Netari.fi [2] als freier Träger die vorhandenen social media nutzt, um in Kontakt und ins Gespräch zu kommen, sind hierzulande noch andere Einrichtungen online, die Jugendlichen derartige Beratungsangebote machen. Mehr von diesem Artikel lesen

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