Soziale Arbeit und social media

Nun habe ich als Dipl.Soz.Päd. und Medienpädagoge schon seit 2 Jahren einen Lehrauftrag an der Evangelischen Hochschule Berlin für das Seminar „Web 2.0 in der sozialen Arbeit“ inne und weiß, dass jedes Semester anders verläuft; aber die Bestätigung für den „lernerzentrierten Ansatz“ beim sog. Lernen 2.0 aka kollaboratives Lernen, das stark von der konstruktivistischen Lerntheorie geprägt ist, hat mich stark beeindruckt.

Was war geschehen? Nichts weiter, denke ich, allein die Seminaraufgabe war, von den eigenen Interessen in der Sozialpädagogik/-arbeit auszugehen und mit einem Web 2.0 Tool zu visualisieren. Die Ergebnisse wie auch alles andere sammeln wir in einem Wiki außerhalb des hochschulinternen Lern-Management-Systems (LMS) und bei der Durchsicht vor dem nächsten Termin staunte ich nicht schlecht: so große, detaillierte, engagiert angelegte und ausführliche Mindmaps hatte ich nicht erwartet! Die Ergebnisse waren wirklich super und zeigten eine nahezu ideale Kombination des Studieninteresses mit persönlichen Orientierungen, Recherchen und fachlich fundierten Aussagen! Das dicke Lob an die Studierenden kam postwendend im Seminar, das bei diesem Termin von den Arbeiten völlig bestimmt war und es hat sich 100%ig gelohnt, den Studierenden den Raum und die Zeit zu lassen, sich selbst eine Richtung für das Studium zu suchen und diese Suche zu dokumentieren und vorzutragen. Ich hatte schon öfter Aufgaben gemäß einer Problemorientierung oder mittels Vorgaben gestellt, aber noch nie war das Ergebnis so überwältigend gut und ausführlich ausgefallen wie dieses. Das zeigt mir andererseits aber auch, dass der Einsatz von Web 2.0 Tools in der Sozialpädagogik richtig sein kann, wenn, wie immer, das Setting stimmt und die Eigeninteressen der Studierenden eine Rolle spielen.

Das Seminar plane ich generell in der Verbindung Technik (Web 2.0 Tools, social media) & Sozialpädagogik / Sozialarbeit / soziale Arbeit in dem Versuch die Balance zu halten zwischen dem Einsatz webbasierter Tools als Werkzeuge (1) und der Etablierung einer neuen Lernkultur (2). (1) Web 2.Tools, soziale Netzwerke oder andere Nützlichkeiten können zwar „nur“ als Werkzeuge eingesetzt werden, woraus sich aber Sackgassen-Diskussionen ergeben: warum sollte ich diese einsetzen, wenn ich von digitalen Medien nicht viel halte oder mir der Mehrwert nicht klar ist? Das Ergebnis: vor die Wand gefahren, weil man auf dieser Ebene nicht weiterkommt. (2) Es ist nämlich weitaus komplexer zu erklären, dass (sogar) die Sozialarbeit sich digitaler Unterstützung für die Lehre bedienen kann, weil der kulturelle Wandel momentan auf digitaler Ebene stattfindet und Lehrende (und Lernende als Ein-/Fordernde) gut daran tun, diesen Wandel zu konstatieren und produktiv im eigenen Handeln umzusetzen. Die Diskussionen um eine neue Lernkultur kenne ich nicht nur aus meinem berufsbegleitendem Studium „eEducation“, das sich mit e- und online-Learning beschäftigt, sondern auch aus der Medienpädagogik, wenn es um Grund- und Oberschulen, Hochschulen oder Universitäten geht. Die Studierenden kommen aus der Welt sozialer Netzwerke, Chats und Messaging-Diensten auf dem Handy oder Smartphone, warum sollte ich diese Mittel dann nicht für die Lehre einsetzen? Kultureller Wandel bedeutet hier eine Bedeutungsverschiebung hin zu einer immer stärkeren Nutzung digitaler Geräte und diese sind bei allen Zielgruppen der Sozialpädagogik ebenfalls angekommen.

In der sozialen Arbeit sind hinsichtlich des Einsatzes von social media mehrere spezifische Fragestellungen zu klären und sowohl deren Beantwortung als auch das vielversprechende Sammeln weiterer Fragen ist noch lange nicht abgeschlossen; die Bandbreite reicht von der Datensicherheit für die Mitarbeiter sozialpädagogischer Einrichtungen und die von Klienten, wenn sie einen Service (mit-)benutzen über die Frage der treffsicheren Auswahl eines Tools für einen gegebenen Einsatzzweck bis hin zur Frage der Öffentlichkeit und damit Sichbarkeit sozialer Arbeit hinsichtlich der eigenen Arbeitsstelle (Öffentlichkeitsarbeit oder Kommunikation?) und der dokumentierten Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit.

Ich bin gespannt darauf wie es weiterläuft, v.a. in Hinblick auf den parallel laufenden 2. Lehrauftrag, bei dem ich (hoffentlich bald) Tablets einsetzen kann, was beim Thema „Gaming“ sicherlich förderlich ist.

Technik & Bildung: De-bug Special ‘Neustart Bildung’

FYI – In der aktuellen Print-Ausgabe der De-bug findet sich ein Special ‘Neustart Bildung’. Eine Zeitschrift über ‘Elektronische Lebensaspekte, Musik, Medien, Kultur & Selbstbeherrschung’, die sich mit Bildung beschäftigt? Soweit sie sonst immer weit vorne sind: interessant! Wann die 4 Artikel online gestellt werden? Mal nachfragen, hier jetzt ein Überblick als Info:

(1) ‘Neustart Lernen – Wie Technik die Bildung verändert’ – startet mit der Betrachtung der These, dass Technik neue, demokratischere Bildungsformen und Wissen transportieren kann (Reform durch Technik), die sich auch im allseits herausgestellten internet-based Machtverlust von (Bildungs-)Autoritäten wiederfindet.

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Tools für ePartizipation

Dieser Blog Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit und geht im Medienpädagogik Praxis-Blog weiter.

“Auch ePartizipation ist vor allem ein pädagogisches Vorhaben, das vom Konzept, Prinzipien und den richtigen Methoden lebt – aber in wichtigem Maße auch von den passenden Tools für Zusammenarbeit, Meinungsbildung, Kampagnen…

In einem Etherpad möchten wir für und gemeinsam mit allen Aktiven im Bereich ePartizipation geeignete (Software)Werkzeuge für entsprechende Projekte sammeln. Wir wünschen uns, dass sich diese Liste ständig weiterentwickelt und anpasst und so die vielfältigen Erfahrungen der Beteiligten widerspiegelt.

Die aufgelisteten Werkzeuge sollten kostenlos und idealerweise auch frei verfügbar sein. Nichtkommerzielle Tools sollten kommerziellen Plattformen vorgezogen werden.”

/update
hier sind weitere Sammlungen von Tools für e-Partizipation zu finden:

… weiter im Medienpädagogik Praxis-Blog.

DeLFI 2012

Die 10. e-Learning Fachtagung Informatik – DeLFI 2012 – von der Fachgruppe e-learning der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) in der FernUniversität in Hagen veranstaltet, wartete mit einem vollen Programm auf, das gleich am ersten Tag mit meinem momentan bevorzugten (Reiz-)Thema „mobile learning“ als Workshop startete. Wie | hier | nachzuschauen und zu lesen, wurden mehrere Apps aus unterschiedlichsten Bereichen vorgestellt, die Lernziele mit Anwendungen auf mobilen Geräten erreichen wollten.

Bei den Nachfragen zu den Präsentationen haben allerdings Themen dominiert, die die didaktischen Szenarien mancher Apps hinterfragten: sind bspw. testbasierte Apps (Abfragen, Zuordnungen etc.) nicht wieder ein Rückgriff auf Konzepte des programmierten Unterrichts? Oder geht es noch weiter in Richtung von ‘drill and practice’-Programmen? Wo bleiben die Besonderheiten z.B. von social media, die in der Diskussion um ihren Einsatz für das Lehren und Lernen stehen?

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Interview: Virtuell-aufsuchende Jugendarbeit – Straßensozialarbeit 2.0

Für die Initiative ‘Dialog Internet’ habe ich Tilmann Pritzens interviewt, Straßensozialarbeiter beim Berliner Träger Gangway e.V.. Hier ist das komplette Interview, wg. der Länge musste es im ‘Dialog Internet’ in zwei Teilen (Teil 1, Teil 2) veröffentlicht werden.

Virtuell-aufsuchende Jugendarbeit: Straßensozialarbeit 2.0
Interview mit Tilmann Pritzens, Gangway e.V.

Tilmann Pritzens ist Sozialarbeiter und auf der Straße unterwegs. Er arbeitet bei Gangway e.V., [1] einem Berliner Träger für Straßensozialarbeit, und ist mit seinen Kolleg/innen in kleineren Teams pro Bezirk organisiert. Gibt es Probleme für Jugendliche und junge Erwachsene können sie sich an das Team wenden: Wohnung weg, Ausbildung, Schulden, Problemen mit Drogen, Arbeitssuche, Obdachlosigkeit u.v.m.; alles, was junge Menschen betrifft, die sich im öffentlichen Raum aufhalten. Diese Arbeit lebt von dem Vertrauensverhältnis zwischen Streetworkern und Jugendlichen und legt den Kontakt von Angesicht zu Angesicht nahe. Das ist größtenteils auch so, aber verstärkt leben die Jugendlichen im Netz: sie chatten und sind in sozialen Netzwerken unterwegs [2], wo sie ihre Fragen klären wie auf der Straße auch. Deshalb sind manche Teams des Gangway e.V. online präsent: man kann sie über verschiedene Chats, in mehreren sozialen Netzwerken und per e-mail erreichen oder auf der Website direkt Fragen an sie stellen. Tilmann Pritzens ist mit seinem Team auf mehreren Ebenen im Netz aktiv und schildert im Interview die Gründe.

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Ubuntu 12.04 auf dem Netbook

Nun muss ich doch wenigstens eine kurze Notiz zur Computer-Bastelei posten: auf dem Netbook Toshiba-AC100, das mit Android 2.2 ausgeliefert wird, läßt sich nach einigen Anleitungen im Netz Ubuntu installieren, das als komplettes Betriebssystem wesentlich mehr Möglichkeiten bietet als ein leider veraltetes Android. Da ich gerne mit Open Source und Linux arbeite (auch mit Android!) möchte ich die Anleitung der Netzöffentlichkeit natürlich nicht vorenthalten (community & sharing). Außerdem ist mir geglückt den Multi-Messenger Pidgin mit mehreren Konten einzurichten, so dass facebook (chat), twitter, icq, jabber, irc und identi.ca (es sind noch weitaus mehr möglich) mit einer einzigen Software abgerufen und benutzt werden können (ja, Pidgin gibt es auch für Windows…). Helferseiten im Netz gibt es viele, die wichtigsten waren: Erfahrungsbericht Toshiba-A100, ARM-Community, Ubuntu-Wiki.

Enjoy Linux!

medienimpuls – Tablets in Kinderzimmern und Schulen

Bei der diesjährigen ‘medienimpuls’ Veranstaltung der FSF und FSM ging es um den Einsatz von Tablets im Unterricht und deren Einzug in Kinderzimmer, da sie so leicht zu bedienen sind und dieser Vorteil auch zum Lernen ausgenutzt werden kann. Leider hat die Referentin, Fr. Ludwig von der Uni Mainz, weder in der vorgestellten Studie noch im Vortrag einen angemessenen Abstand von den iPads der Firma Apple genommen, so dass der Eindruck entstand, es gebe weder adäquate Alternativen zu den Geräten, noch zu den Apps aus dem Apple Store. Das wäre noch zu verschmerzen, denn beide Alternativen existieren, und zwar prächtig; wichtiger war m.E. der klassische Umkehrschluss: wir brauchen mediendidaktische Konzepte, um den Einsatz und Mehrwert von Tablets in Schulen, Verwaltungen und Öffentlichkeit darstellen und rechtfertigen zu können.

Entgegen ihrer bisweilen aufblitzenden eigenen praktischen Orientierung die Geräte mit neuen Ideen einfach einzusetzen trägt diese Argumentation in weniger technik-affinen oder zumindest -aufgeschlossenen Behörden die Züge einer Hase-und-Igel Taktik, die gerne zur Vermeidung eingesetzt wird: die Geräte könnten wir ja anschaffen, wenn wir didaktische Konzeptionen hätten, da wir diese nicht haben, schaffen wir sie auch nicht an. Somit das logische Aus für Erneuerung und die Idee bleibt bei persönlichem Engagement, Freizeitvernichtung durch selbsttätige Fortbildungen, Unterrichtsentwürfe selbst basteln, Tutorials durchackern, Kontakte knüpfen, Einrichtung von Technik in der Schule am Wochenende bei gleichzeitiger Skepsis und fehlender Unterstützung von Kolleg/innen mit hohen Ansprüchen hängen. Mehr von diesem Artikel lesen

Podium 1 der internationalen Konferenz zu #eparticipation, Tag 2

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Endlich auch #opensource Menschen auf dem Podium sowie Praktiker/innen, die Partizipation ausprobieren: Wikis, mobile Projekte und wiederum: Finnland (sic!)  mit ihrem Portal zur Beteiligung von Jugendlichen im urbanen Raum.

Hier der Bericht im Dialog Internet.

eParticipation: youthpart international conference on youth participation in the digital society

Am ersten Tag der internationalen Konferenz war das Publikum zahlreich und bunt gemischt: international eben, die Synchron-Übersetzungen lohnen sich also.

Was sich auch lohnt und an obige Veranstaltungen anschließt: die Diskussionen werden alle akribisch transparent in Etherpads dokumentiert, es wird getwittert (#epart12) und wo es geht gepostet aber auch in Arbeitsgruppen, nein: in Gruppendiskussionen nach den inhaltlich einleitenden Podien je nach Vorlieben wählbar diskutiert.

Die Diskussion zum ersten Podium „eParticipation in society – the big picture“ unter Federführung von Dr. Jan-Hinrik Schmidt (mit DeTe!) hat mir gezeigt, dass die Auffassungen über die Breitenwirkung von jugendgerechten Möglichkeiten zur Betreiligung im und mit dem Netz sehr unterschiedlich sind. Vor allem sind staatlich initiierte Portale, Netze oder Initiativen sehr kritisch und kontrovers beurteilt worden, so dass mein Fazit für den Tag 1 der Konferenz so ausfällt: vielleicht sind wir ja ‘nur’ die early adopters, die Chancen erkennen, die Technik dazu haben oder entwickeln, aber nicht genau wissen, wie wir die Jugendlichen nun dazu bewegen sollen, sie auch sinnvoll zu nutzen. Eine sehr pädagogische und good-will geprägte Einstellung. Vielleicht aber müssen wir uns auch daran gewöhnen, dass unsere Zielgruppe die Werkzeuge, die sie nutzen möchte, einfach nur vorfinden will, um sie für ihre eigenen Zwecke einzusetzen. Vielleicht müssen wir ihnen nur den Raum eröffnen, betreten werden sie ihn selber oder eben nicht. Partizipation von oben geht nicht; und in die Bahnen lenken, die uns gefallen, auch nicht. Vielleicht heißt eParticipation ja auch, Instrumente aus der Hand zu geben und uns überraschen lassen, was wer wann & wie damit anfängt. Spannend wär’s!

con/temporary streams aka Sammelsurium: ePartizipation und Mozilla Foundation

Die Mozilla Foundation versammelt mit dem Projekt HIVE kreative Köpfe und stellt seine neuen Tools vor, zum sofortigen Ausprobieren und Weiterentwickeln: Projektarbeit, code testen, Webseiten ‘hacken’ funktioniert mit HACKASAURUS, Videos online bearbeiten und ergänzen mit POPCORN und ihrem POPCORN-MAKER. Zwei wunderbare Tools für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Studierende … einfach alle, die mit dem Web, HTML 5 oder kreativen Möglichkeiten spielerisch umgehen oder (vielleicht) die nächste Entwicklung im Netz vorantreiben wollen. Nehmt euch Zeit dafür, ihr kommt nicht mehr so leicht davon los…

ePartizipation ist das Wort 2012 und die Jugendarbeit fragt sich, was sie damit anfangen kann. Ich bin gespannt auf die internationale Fachtagung des Projekts ‘youthpart’, vorher aber fanden bereits 2 Veranstaltungen zu diesem Thema statt: im Rahmen der Stiftungswoche Berlin veranstalteten die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, die Kreuzberger Kinderstiftung und die Stiftung Demokratische Jugend eine Diskussion zu den Perspektiven der ePartizipation. In verschiedenen thematischen Schwerpunkten ging es nach einem Input von Jürgen Ertelt um Netzwerke, Schwarmbewußtsein, die Piraten als Blaupause für aktuelle Beteiligungsformen oder um verändertes Demokratieverständnis. Eine spannende Veranstaltung im Hinblick auf weitere Berliner Aktivitäten mit diesen Akteuren!

Ein anderes Spektrum fand sich mit Einladung des Deutschen Bundesjugendrings zum ‘FachCamp 12 Jugendarbeit Online’ mit dem tollen Input von Kerstin Heinemann, (Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, JFF) zu »Partizipation in und mit dem Netz«. Mitarbeiter/innen aus Jugendverbänden setzen Beteiligungsformen für Jugendliche seit Jahren um – was ändert das ‘e’ vor ‘Partizipation’? Wie sinnvoll sind Beitritte zu Netzwerken und was soll dort getan werden? Eine Diskussion der Modernisierungsdebatte in der Jugendarbeit, interessant war es, mit Menschen zu diskutieren, die in anderen Bundesländern ähnliche oder eben völlig andere Erfahrungen gemacht haben. Ein mögliches Fazit: „Die Richtung stimmt, die Linie ist zackig und die Geschwindigkeit lässt zu wünschen übrig!

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