medienimpuls – Tablets in Kinderzimmern und Schulen

Bei der diesjährigen ‘medienimpuls’ Veranstaltung der FSF und FSM ging es um den Einsatz von Tablets im Unterricht und deren Einzug in Kinderzimmer, da sie so leicht zu bedienen sind und dieser Vorteil auch zum Lernen ausgenutzt werden kann. Leider hat die Referentin, Fr. Ludwig von der Uni Mainz, weder in der vorgestellten Studie noch im Vortrag einen angemessenen Abstand von den iPads der Firma Apple genommen, so dass der Eindruck entstand, es gebe weder adäquate Alternativen zu den Geräten, noch zu den Apps aus dem Apple Store. Das wäre noch zu verschmerzen, denn beide Alternativen existieren, und zwar prächtig; wichtiger war m.E. der klassische Umkehrschluss: wir brauchen mediendidaktische Konzepte, um den Einsatz und Mehrwert von Tablets in Schulen, Verwaltungen und Öffentlichkeit darstellen und rechtfertigen zu können.

Entgegen ihrer bisweilen aufblitzenden eigenen praktischen Orientierung die Geräte mit neuen Ideen einfach einzusetzen trägt diese Argumentation in weniger technik-affinen oder zumindest -aufgeschlossenen Behörden die Züge einer Hase-und-Igel Taktik, die gerne zur Vermeidung eingesetzt wird: die Geräte könnten wir ja anschaffen, wenn wir didaktische Konzeptionen hätten, da wir diese nicht haben, schaffen wir sie auch nicht an. Somit das logische Aus für Erneuerung und die Idee bleibt bei persönlichem Engagement, Freizeitvernichtung durch selbsttätige Fortbildungen, Unterrichtsentwürfe selbst basteln, Tutorials durchackern, Kontakte knüpfen, Einrichtung von Technik in der Schule am Wochenende bei gleichzeitiger Skepsis und fehlender Unterstützung von Kolleg/innen mit hohen Ansprüchen hängen.

Dass der Einsatz digitaler Technik Mehrarbeit bringt, Skepsis bei Vorgesetzten, Kolleg/innen und Zielgruppen herrscht und Erneuerungen v.a. in der gewohnten Lehrkultur u.v.m. nach sich zieht, ist aus dem E-Learning und dem Wissensmanagement in Schulen, Hochschulen und Unternehmen seit längerem bekannt. Es ist auch keine Lösung neue Geräte teuer einzukaufen und sich dann erst zu fragen, was man damit anstellt.

Aber diese Diskussionen sind bekannt seit Medien in der Lehre oder für das Lernen eingesetzt werden können. Die Schlussfolgerung nach mehr Forschung ist löblich, bringt aber denjenigen aktuell nichts, die sich digitaler Instrumente bedienen möchten. Dabei sind die schon erwähnten Praxisbeispiele von Fr. Ludwig sehr viel illustrativer gewesen und ein Anreiz, einfach etwas auszuprobieren, den Prozess zu reflektieren und mit den Besserungen weiter zu machen.

Der anschließende Vortrag von Hr. Becker als Vertreter des Cornelsen Verlages gewann nur durch die überzeugende Darstellung, das von den Schulbuch Verlagen als Antwort auf die Apple Initiative (iBooks) in Eile losgetretene Projekt „digitales Schulbuch“ als Version 1.0 zu kennzeichnen. Der Versuch das analoge Modell Schulbuch 1:1 digital als Lehrmodell zu retten ist schon im Ansatz antiquiert und als besseres pdf charakterisiert: Annotationen möglich, aber nicht mit Anderen teilbar, selbst Lehrer sehen nicht rein, sharing ist auch sonst völlig unbekannt, Plattformen gibt es nicht etc. etc. Es kann nur ein Beginn sein, aber warum er auf einem solchen Level stattfinden muss, wo es zig andere Ideen und auch Praxis gibt, bleibt schleierhaft.

Die abschließende Podiumsdiskussion brachte zwar Einblicke in das respektable Engagement der Diskutant/innen, Perspektiven zur Umsetzung aber leider nicht. Wo sind eigentlich immer diejenigen, die solche Schritte entscheiden könnten? Sich untereinander auszutauschen, was möglich wäre und welche Ideen es bereits gibt, verschafft kurzfristig subjektive Zufriedenheit, insgesamt bleibt Frustration übrig ob anscheinend gewaltiger Hürden und einer gewissen Innovationsfeindlichkeit.

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Über bdoerr
Medienpädagoge, Dozent, Berater für digitales Leben: e-learning, Medienbildung, web 2.0, Projekte, Fortbildungen, open source, social media, Linux, soziale Netzwerke

2 Responses to medienimpuls – Tablets in Kinderzimmern und Schulen

  1. Michael sagt:

    Danke für den Bericht, Bernd. Wäre auch gerne gekommen. Nun hat also Fr. ludwig auch noch den Teil “Einsatzmöglichkeiten” übernommen. das ist schade, denn es gibt ja auch schon gelunge Praxisbeispiele, die auch Lehrer selber hätten darstellen können. Dann würde auch deutlich, dass die Mediendidaktik hier auch shcon weiter ist. Was mich wundert, ist, dass Cornelsen die digitalen Schulbücher so schlecht verkauft. nach dem was ich gehört habe, gehen die weit über PDFs hinaus mit kompletten Lernplattformen, die dahinter stehen. Gruß

  2. bdoerr sagt:

    Leider geht das digitale Schulbuch nach eigenen Aussagen von Hr. Becker nicht über eine erweiterte pdf-Version eines Schulbuches hinaus. Auf oben verlinkter Seite digitale-schulbuecher.de und auch im Vortrag ist lediglich zu finden, dass der Nutzer “Notizen und Lesezeichen anlegen, Texte markieren, abdecken und freistellen, Formen einfügen, zeichnen und vieles mehr.” Das “viele mehr” blieb Hr. Becker im Vortrag schuldig und kennzeichnete die Site deshalb als Version 1.0, eine Plattform und der sharing-Gedanke sind meilenweit entfernt.

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